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Motorrad
Das Schnabeltier oder:
Wie aus einer Honda eine BMW wurde
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Im zweiten Jahr nach Erteilung der Lizenz zur einspurigen, motorisierten Fortbewegung war es irgendwie Zeit das
Material zu wechseln. So machte ich mich im Mai 2001 auf die Suche nach neuem Gerät. Enduro sollte es sein, ein wenig
mehr Hubraum war gefragt, solide Technik sollte es haben. Meine Auswahl fiel auf die Africa-Twin von Honda. Nachdem die
Suche im Online-Bazar erfolglos war, pilgerte ich zu einem großen Honda-Händler im
16. Wiener Gemeindebezirk zum Behufe der Besichtigung einer solchen Affen-Twin. Im Verkaufslokal begab es sich dann
folgendermaßen:
Andrea und ich schauen uns ein wenig um und werden kurz da
rauf von einem Apfel essenden (Pferd hätte ich jetzt schon fast geschrieben, ups) Verkaufstalent angesprochen:
/Apfel essender Verkäufer: "Kauma wos höfn?" (kaut weiter an seinem Maschantzker)
/me: "Ja, ich würde mich eventuell für eine gebrauchte Africa-Twin interessieren
/Apfel essender Verkäufer: "Schau' ma zu die Gebrauchten owe" (geht kurz ab um eine Mappe zu holen
und sich der Überreste seines Apferls zu entledigen, wir verfügen uns inzwischen in den Keller mit den
Gebrauchtmotorrädern um dort festzustellen, dass es keine gebrauchte AT gibt)
/Nun nicht mehr Apfel essender Verkäufer: "Aja, do hauma gestern die letzte verkauft, nau, vielleicht
doch a neiche?" (grinst über's ganze Gesicht)
/me: "Gibt's eine zum Probefahren?"
/Geschäft witternder Verkäufer: "Na klor, i loss glei herrichten" (wir begeben uns zum
Schreibtisch des jungen, aufstrebenden Verkaufsgenies und er legt mir einen auszufüllenden Zettel vor, den ich mir
vorm Unterschreiben natürlich durchlese)
/me: "Sie, das ist ja ein Mietvertrag, ich will nichts mieten, ich möchte eine Probefahrt machen"
/In Kürze um's Geschäft umfallender Verkäufer: "I hob ma des no nie durchg'lesen" (Klar, wer
wird sich mit so einem Schas aufhalten, schließlich hat der gute Mann sicher besseres zu tun als zu wissen, was er
seinen Kunden zum Unterschreiben vorlegt, noch dazu, wo fast die komplette A4 Seite bedruckt war [wer weiß, wie lange
er zum Lesen gebraucht hätte?])
/me: "Aber ich hab's mir durchgelesen und da steht, dass ich im Falle eines Unfalles einen Selbstbehalt
von ATS 15.000,- zu bezahlen habe und das nur, wenn ich vorher ATS 100,- für eine Versicherung entrichte. Andernfalls
ist das Fahrzeug nur haftpflichtversichert!"
/Noch immer forscher Verkäufer: "Jo genau, so is des hoit"
/me: "Sie glauben ja nicht wirklich, dass so etwas für mich bei einer Probefahrt akzeptabel ist?"
/Jetzt schon aus dem Rennen geworfener Verkäufer: "Versicherung muas hoit sei"
/me: "Wissen'S wos: vagessen'S mi. Grüß' Sie"
Dermaßen von der Güte des Verkaufsberatungsgespräches angetan, ärgere ich mich eigentlich nur, dass ich für
diesen Auftritt einen halben Samstag verschenkt habe. Daheim angekommen konsultiere ich erneut den Online-Bazar
und tippe aus Spaß folgendes ein:
"BMW 1100 GS"
Unter den wenigen eingetragenen Verkaufsanzeigen finde ich eine, die mich auf Grund der Eckdaten irgendwie sofort
anspricht. Die dabei stehende Wiener Telefonnummer wird sogleich gewählt, ich vereinbare nach Abklärung einiger
Parameter einen Besichtigungstermin für Dienstag. Am Mittwoch tauschen wir ein paar Mozartscheine gegen einen
Typenschein, am Donnerstag schraube ich ein nagelneues Blech auf die Gummikuh und fahre von Wien 14 mit einem kleinen
Umweg über's Irenental und Hochstrass nach Hause.
So schnell kann aus einer Honda eine BMW werden...
Am Sonntag mache ich die erste größere Ausfahrt (370 km: Feistritzsattel, Alpl, Veitsch, Seebergsattel, Mariazell,
usw.) und bin von diesem Gerät restlos begeistert! Endlich habe ich ein Moped mit Motor, Bremsen und Fahrwerk ;-)
Unvermeidlicherweise hier das erste Bild des Schnabeltieres:

BMW R 1100 GS
Und hier gleich das zweite, 8 Tage später aufgenommen:

Vor den Drei Zinnen
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