Am Donnerstag den 23. Mai 2002 machten wir, die Katastrophenklasse 6C (Insider *eg*) des BG & BRG Perchtoldsdorf, eine Exkursion zum Marienhof in Zöbern. Der Marienhof ist eine Langzeittherapiestation zur Rehabilitation und Integration von ehemals suchtkranken Menschen und gehört dem Projekt Grüner Kreis an (für mehr Infos zum Thema hier klicken). Nach der ersten Stunde (Latein *grml*) gingen wir zum Bus (war bisschen überdimensioniert für 15 Schüler + 2 Lehrer) und um 9.00 fuhren wir, nachdem unser Chef nun doch angekommen war, schlussendlich Richtung Wechsel ab. Über die Autobahn, am Ende über eher entrische Straßen und nach einem kleinen Fußmarsch erreichten wir um 10.30 unser Ziel:
Von Robert erhielten wir kurz die letzten Instruktionen und Infos über den Tagesablauf, sodass uns Thomas gleich durch den kleinen Tierpark führen konnte. Ponys, Zwergstiere, Lamas, Kaninchen, Enten, Schafe, ... helfen den Suchtkranken auf dem Weg zurück ins "normale" Leben. Jeder Patient kann sich aussuchen, für welches Tier er zuständig (füttern, pflegen, ...) ist. Dadurch erlernen sie auf der einen Seite wieder Verantwortung zu übernehmen, andererseits entstehen durch die Pflege und Zuwendung soziale Kontakte.
Thomas hat hier beim Grünen Kreis seine Liebe zu den Tieren entdeckt und möchte nach Beendigung der Therapie eine Tierwärterausbildung im Tiergarten Schönbrunn machen.
Robert übernahm jetzt wieder die Führung und zeigte uns den Kindergarten. Die Kinder werden den Müttern absichtlich nicht weggenommen und in ein Heim gegeben, weil sie sonst keine Bezugsperson haben, Depressionen bekommen und dadurch eher zu Drogen greifen. Die kleinen Kinder gehen wie gesagt in den dortigen Kindergarten, die größeren in Zöbern zur Schule und kommen danach wieder zurück und machen die Aufgaben in der Nachmittagsbetreuung. Nach einem kleinen Zwischenstopp bei einem Zeltgrundgerüst mit Feuerstelle im Inneren (saunageeignet!) ging´s dann weiter zur Töpferei. Das Töpfern hilft denjenigen Patienten, die psychisch so am Ende sind, dass sie nicht mehr reden, sich über die Kunst auszudrücken. Die besten Arbeiten werde sogar auf dem Jahrmarkt verkauft, natürlich nur mit Einverständnis der Künstler.
Nach dem Rundgang über das Gelände folgte ein 1 1/2 stündiges Gespräch mit dem Stationsleiter Dr. Thomas Legl über den Ablauf der Therapie, das harte Leben (es scheint nur so idyllisch) am Marienhof, Ursache und Verlauf der Sucht, usw.. Zum Abschluss machten Rafi und Hampl noch ein (doch belehrendes) Rollenspiel (mit knurrendem Magen :)) zwischen einem Drogensüchtigen und dessen Freund.
"Nach dem Essen sollst du ruh´n", das besagt zumindest ein Sprichwort. Das spielte es leider nicht und es war wieder arbeiten angesagt; und obendrein wurden noch zu einem Beachvolleyball-Match herausgefordert (Sport ist auch ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung). Aber wir hatten doch eine gewisse Zeit, das Essen setzen zu lassen, denn zuerst wurden wir in Gruppen aufgeteilt und hatten Einzelgespräche mit Patienten. Sie erzählten uns über die Situation, in der sie sich damals befanden als sie zu Drogen griffen, die Gründe, ihre "Drogenlaufbahn", usw. ... Die Spiele mögen beginnen! Tja, eigentlich gibt´s nicht viel zu sagen, außer, dass zum Glück die Teams gemischt wurden und dass der Ball rund war :p. Aber genug der guten Worte, Bilder sprechen mehr als 1000 Worte.
Um 15:30 stiegen wir "Junkie Touristen", wie wir liebevoll von den Patienten
genannt wurden, wieder in den Bus, sodass wir um 17:00 beim Sportplatz in
Perchtoldsdorf ankamen. Man kann sagen, dass dies ein gelungener Lehrausgang
war. Anfangs war ich nicht so begeistert, weil ich mir dachte, dass es dort eher
wie in einer Klinik - so kühl und steril - aussehen würde aber nach dem Video,
das wir einen Tag vorher gesehen hatten, hat sich dieses Problem gelöst.
Außerdem war ich skeptisch, ob wir die Menschen einfach so besuchen könnten,
Immerhin befinden sich die Leute in einer Therapie und sind teilweise in einem
psychisch sehr labilen Zustand. Ich war auch sehr positiv überrascht, dass wir
so herzlich aufgenommen wurden. Wir konnten mit den Patienten wie mit ganz
normalen Menschen reden und man merkte, dass es auch Menschen wie wir sind
(gutes Beispiel ist das Beachvolleyball-Match), die eben an einer Krankheit
leiden. Ich dachte mir, dass wir eher als Eindringlinge gesehen werden, aber dem
war nicht so. |
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