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Nordkap
4.7. - 29.7.2001
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9. Tag, Donnerstag, 12.7.2001
Die Nacht war nicht wirklich erholsam. Zahllose Gelsen lassen unseren Junior,
der oben schläft, nicht zur Ruhe kommen und seine ständigen Bewegungen beim
Erschlagen der Mistviecher lassen uns unten auch kein Auge zu machen. Irgendwann
um 0400 schlafe ich ein und um 0800 ist Tagwache. Schwer erledigt brechen wir
auf und frühstücken irgendwo an einem kleinen See neben der Straße. Die
Europastraße E10 war auch in der Nacht nicht wirklich stark befahren. Alle 5
Minuten ein Auto, das ist auszuhalten. Wir fahren die ca. 200km bis Kiruna und
besichtigen dort nach der Holzkirche das größte
Erzbergwerk der Welt.
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Turm der Holzkirche in Kiruna von außen
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Holzkirche in Kiruna von innen
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Mit
einem Autobus werden wir unter Tag gebracht, auf Höhe 600 steigen wir aus und
ein deutschsprachiger guide führt uns herum. Allerdings nicht allzu lange, wir
hatten uns für die paar Krönchen mehr erwartet. Trotzdem ist es beeindruckend,
alleine die Fahrt mit dem Bus unter Tag auf einer 6m breiten Straße, die eine
Neigung von 10% aufweist. Gegenverkehr! Insgesamt 400km asphaltierte und weitere
mindestens 200km "unmaintained roads" existieren unter dem Erzberg.
Und weil das Handynetz überall in Skandinavien wunderbar ausgebaut ist,
funktioniert es natürlich auch dort unten.
Die mit bis zu 30t Erz beladenen Aufzüge fahren mit einer Geschwindigkeit von
60 km/h nach oben. Superlative überall. Die mit Eisenerz beladenen Züge fahren
mit über 50 Waggons alle 2-3 Stunden nach Narvik, wir werden bei der Rückreise
schauen, ob wir einen Zug dort sehen können.
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Ausrangierter Reifen
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Ausrangierter Erzaufzug
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Wir bunkern im Supermarkt für einige Tage (Nordkap!) Lebensmittel und an der
Tankstelle sichte ich zwei österreichische Kräder. Beim Besichtigen der edlen
BMW 1100 GS mit MZ-Blech kommt deren Besitzer aus dem Shop und wir unterhalten
uns kurz von GS-Fahrer zu GS-Fahrer. Sein Freund (ebenfalls MZ), mit BMW
(Chopper - R 1200 C), unterwegs, begrüßt mich mit den Worten: "Ah, a
Schwede der Deutsch spricht". Letztendlich stößt auch ein Mädel aus Wien
mit ihrer Transalp zu der Gruppe. Die drei haben vor über Norwegen
heimzufahren. "Oben bleiben", wünsche ich und hupe beim Abfahren.
Zurück
geht’s nach Svappavaara, wo wir dann nach Nordosten in Richtung Finnland
fahren. Es regnet ab und zu, aber die Fahrt durch die Sümpfe ist von wunderschönen
Ausblicken auf die nun etwas lichter werdende Vegetation geprägt. Allerdings
ist es hier noch immer viel grüner, als ich mir erwartet habe. Flüsse schlängeln
sich neben der Straße und alles ist eine einzige endlos scheinende
Urwaldlandschaft. Irgendwo an der Straße sehen wir einen Wiener, der aus seinem
Pkw unseren Gruß sofort erwidert.
In
Karesuando überschreiten wir die EU-Grenze zu Finnland. Irgendwo in einer
kleinen Ortschaft sehe ich zwei Motorradfahrer, von denen einer sein Krad
ziemlich zerlegt hat und herumzangelt. Ich kehre um und frage den Finnen, ob er
Hilfe oder Werkzeug braucht, er hat aber eh alles dabei und erklärt mir, dass
die Plusleitung des Rücklichtes einen Schluss auf die Masse des Rahmens macht
und daher die Sicherung sich regelmäßig verabschiedet. Harley halt, ich sag
nix mehr dazu. In Palojärvia, ca. 10km vor der Grenze zu Norwegen, übernachten
wir auf dem Campingplatz. Beim Aufbauen der Antenne fressen uns die Viecher auf,
so viele haben wir noch nirgends gehabt! Es ist wirklich schlimm und ich
verstehe die mir zu Ohren gekommen Schauergeschichten über die Gelsenattacken
in Sakandinavien nun etwas besser...

Ich rette den ersten Schwung digitaler Fotos auf zwei ZIP-Kassetten (sicher
ist sicher) und wir studieren nun schon den norwegischen Straßenatlas.
Nordkap, wir kommen!
Colosseum, Bread&Circusses
493km
10. Tag, Freitag, 13.7.2001
Die Funkerei am Abend hat nicht wirklich gut funktioniert, immerhin für ein
paar Verbindungen als OH/OE3ARC hat es gereicht. War ja mein erster Aufenthalt
in Finnland, da muss gefunkt werden. Wir schlafen jedenfalls ziemlich gut und
fahren gegen 1100 Richtung norwegischer Grenze ab.
Das
Bier (Zipfer, Ottakringer)
haben wir sicherheitshalber so gut versteckt, dass wir uns im Falle der
Befragung durch den norwegischen Zoll gar nicht mehr erinnern werden können,
dass wir überhaupt welches mithaben. Aber wir kommen ohne aufgehalten zu werden
über die Grenze. Geschafft.
Von der Grenze geht es nach Karasjok, wo die Gegend ziemlich hügelig ist und
mit ihren teilweise vorhandenen Sanddünen ein wenig an Dänemark erinnert.
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In Norwegen, Richtung Karasjok
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In Norwegen, Richtung Karasjok
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Bei Lakselv stossen wir ans Nordmeer und treffen auf einem Parkplatz am
Porsjangerfjord die ersten Österreicher (TU). Sind aber schmähstade Gesellen.
Noch ca. 200km bis zum Nordkap.
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Porsjangerfjord
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Porsjangerfjord
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Entlang
der Küste geht es nordwärts und erst hier beginnt die Gegend langsam karg
auszusehen. Schaut hier auf 300m ü.d.M. so aus, wie auf einem Alpenpass. Nur
dass die Rentiere direkt am Meer herumstiefeln. Und natürlich - wie schon
gewohnt - auch mitten auf der Straße. Unbeirrbar laufen sie vor den Autos
herum, man sollte wirklich darauf aufpassen.
Ungefähr 100km vorm Ziel kommen wir zu einem Unfall, ein deutscher
Campingbusfahrer hat offensichtlich beim Überholen den Gegenverkehr nicht
beachtet und sich beim nachfolgenden Abgang in die Botanik mehrfach überschlagen.
Schaut nicht gut aus, wie der Bus am Dach und das Urlaubsgepäck in der Wiese
verstreut liegt. Ein Franzose kümmert sich einen Dreck um die stehende Kolonne
und um den oben am Hügel den Verkehr aufhaltenden Kraftfahrer und prescht an
der Schlange vor, um sich vorne durch heftiges Reversieren irgendwo
hineinzuzwicken. Ich kann mich wirklich nicht beherrschen, zeige ihm den
internationalen Autofahrergruß und schimpfe ihn, nachdem er eine wegwerfende
Handbewegung macht auch kräftig, aber natürlich versteht mich der arrogante
Volltrottel nicht (Was soll ein Franzose auch mit einem "Du gsch***enes
*rschl*ch, jetzt stehst fünf Autos weida vurn und hättast fost die Leit’
z’aumg’schob’n" anfangen?). Der heranschwebende
Hubschrauber ist von grobschlachtiger Statur und nach langem Hin und Her werden
der Lenker zum Glück lebend und seine Beifahrerin nahezu unverletzt in das
Fluggerät verladen. Das dämpft die Vorfreude auf’s Kap und nach über
einer Stunde Wartezeit geht es gemächlich weiter.
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Auf dem Weg zum Nordkap
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Auf dem Weg zum Nordkap
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Für den Tunnel unter dem Magerøsundet werden wir kräftigst zur Kasse
gebeten, nicht nur für das Fahrzeug, auch für jede Person löhnen wir
(insgesamt NOK 193 - morgen bei der Rückfahrt wieder!). Nicht nachdenken,
zahlen. 40km später kommt die nächste Zahlung, der Eintritt aufs Kap
(bescheidene 350,- NOK) berechtigt uns zwei Tage hier zu bleiben, erklärt mir
der Kassier (warum hat der $$ Zeichen in den Augen?). Wie auch immer, es ist
geschafft, um 1950 parken wir uns an antennentechnisch strategisch günstiger
Position ein und nehmen einen Manöverschluck.
71°10’21",
das lang gehegte Ziel ist nach 5183km und 10 Tagen erreicht. Und zwar bei
Sonnenschein, also nicht, dass wir nur Nebelschwaden sehen, wunderbarer
Sonnenschein empfängt uns, wenn auch der Wind ein wenig, sagen wir mal, herb
ist. 12° Außentemperatur. Passt schon. Wir marschieren vor zur Klippe und
fotografieren die Weltkugel und die Aussicht. Geil!

Andrea bekommt einen Geburtstagsglückwunschanruf
Im Sturm bauen wir die Antenne auf und kochen Spaghetti. Um 2200
wird gefunkt und um Mitternacht werden wir zur Klippe gehen und die
Mitternachtssonne bestaunen und natürlich um ein "paar" Fotos zu
machen.
Dire Straits (erstes - bestes - Album)
472km heute, insgesamt bis jetzt 5183km
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