7. Tag, Dienstag, 10.7.2001Lappland. Endlich ist es ein wenig kühler. Der Übernachtungsplatz ist genial. Nachdem wir uns um 2300 niedergelegt haben, stehen der Junior und ich um 2330 wieder auf. Bei der Helligkeit kann man einfach nicht schlafen. Ich schnappe mir noch ein Bier und Soletti und wir machen einen Spaziergang. Wenige Minuten später beginnt es zu regnen. Blede G’schicht. In der Früh sind wir gegen 0900 wieder unten beim Wasserfall und nehmen unser Frühstück bei dem Getöse des Wassers ein. Aus der geplanten Aufnahme mit Rückenlicht wird nichts, weil es leider völlig bewölkt ist. Aber immer noch 20°, das reicht. Wir haben vor, heute nach Tärnaby zu fahren und nehmen bei Stalon einen Abschneider durch’s Unterholz Richtung E12. Unzählige Kilometer auf einsamen Pisten, viele Fotostopps. Aus dem Radio kommen Abba - Fernando, aber in der schwedischen Originalversion - was sonst, schließlich sind wir ja in Abbas Heimat. Vorbei am Marsfjällen Naturschutzgebiet. Erste Elchsichtung. Bis wir zurückgefahren sind hat sich die Elchkuh mit einem kurzen Sprung ins Gestrüpp verdrückt. Kommt aber trotzdem gut für’s Logbuch. Endlose, einsame Straßen. Bruce Springsteen, The River aus dem Radio. Kommt echt gut jetzt in dieser Gegend.
Als wir endlich auf die E12 kommen, beginnt es zu regnen. Kurz darauf geht ein heftiges Gewitter unmittelbar über uns nieder. Die im Westen liegenden norwegischen Berge waren ja schon die längste Zeit in schwarze Wolken gehüllt und so beschließen wir, die nächste Nacht nicht in Tärnaby sondern in Jokkmokk zu verbringen. Über endlose Straßen fahren wir Richtung Sorsele. Auf über 100km kommen uns maximal 5 Fahrzeuge entgegen. Ein Österreicher. Gruß. Diesel im Tank gibt hier ein gutes Gefühl. Das Handynetz ist hier lückenlos ausgebaut. Überall Vollanschlag am S-Meter und ich frage mich, wo die vielen Sendestationen versteckt sind, neben der Straße ist keine einzige Antenne zu sehen. Wahrscheinlich sind alle als Bäume getarnt, bei uns daheim hat man das nicht geschafft. Endlich sind wir in Arvidsjaur eingetroffen, wo sicherheitshalber wieder getankt wird...
Wir wollen nicht direkt nach Jokkmokk, sondern nehmen mit einem kleinen Umweg von ca. 100km (über tw. unasphaltierte Pisten) den Storselen Wasserfall mit. Das lohnt sich wirklich, der längste Wasserfall Nordschwedens. Eintritt frei, viele Bilder.
Nur noch 100km bis Jokkmokk. Kurz vor Jokkmokk (der Name kann nicht oft genug geschrieben werden, so schön ist er ...) halten wir am Polarkreis. Kalt? Uns nicht! 25°, kurze Hose, aber die Viecher - Bist Du teppert! Die fressen einen auf, kaum dass man das Auto verlässt. Ein paar schnelle Fotos, dass muss sein und dann die letzten paar km bis Jokkmokk.
Wir beschließen, erst kurz vorm Schlafengehen zu duschen und schmieren uns vorher das ultimative Insektenschutzmittel rauf: Djungel olja. Geruchlos aber absolut wirkungsvoll. Unpackbar! Kein Viech sticht mehr. Antenne aufgebaut, Griller angeheizt, Kotletts aufgelegt. 2100, die Sonne steht noch am Himmel, ich muss jetzt funken. Und das tat ich auch bis 2330. Sogar mit Franz, OE3RRA, der mit qrp-equipment auf Zakynthos war, konnte ich eine tadellose Verbindung herstellen. Bis kurz vor Mitternacht wird geplaudert, dann gehen wir im Sonnenlicht duschen und legen uns nieder. Da wir heute Wäsche gewaschen und zum Trocknen aufgehängt haben, regnet es natürlich in der Nacht. Konnte ja nicht anders sein. Also haben wir irgendwann in der hellen Nacht "mit’n faden Aug’" die Wäsche eingeholt. 538km 8. Tag, Mittwoch, 11.7.2001
Wir schlafen wie die Murmeltiere und werden erst um 1000 munter! Irgendwann nach 1200 legen wir ab und fahren die im Reiseführer als ziemlich toll beschriebene Straße zum Stora Lulevatten. 130km. Eine Strecke. Ab km 90 regnet es und wir geben vorm Ziel auf und kehren um. Immerhin sichten wir 2 Elche, fotografieren einen davon halbwegs erfolgreich und lichten weiters ein Rentier ab, dass sich durch uns nicht beim Fressen stören lässt (Ich weiß schon, das heißt Äsen. Losung und Schweiß - Weidmannsheil). Erst als ich den Motor abstelle, trabt es davon.
Später am Abend kommt uns noch eines mitten auf der Straße entgegen. Irgendwo nach Gällivare parken wir uns im Gemüse zum Übernachten ein. War nicht sehr spektakulär der Tag. Irgendwie. Abgesehen von den Niederländern, die im Baustellenbereich kurz nach Jokkmokk mit abgerissenem Auspuff liegen geblieben sind. Der junge Mann hat kein Telefon mitgehabt, damit konnte ich ihm ja aushelfen. Schutzbrief vorhanden, dank umsichtiger Navigation und in Jokkmokk beim Tanken zurückgesetztem Tageskilometerzähler wissen wir auch auf den Kilometer genau, wo der gut bepackte Peugeot 205 der beiden steht, und während der Holländer mit dem Pannendienst telefoniert, erzähle ich der jungen Frau, die uns mit den Worten "that everbody at home can laugh" fotografiert, kurz von unseren zahlreichen Reiseerlebnissen. Sehr unterhaltsam ... Die beiden sind übrigens innerhalb einer Woche durch Norwegen zum Nordkapp (norwegische Schreibweise) gefahren und haben dort dreimal übernachtet. Flott. Und die Panne haben sie eh nicht so hart genommen. Passt. Theoretisch werden wir in zwei Tagen auch am Nordkap (deutsche Schreibweise) übernachten. Mal sehen. Austria 3, Die Dritte |
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