Nordkap

4.7. - 29.7.2001

5. Tag, Sonntag, 8.7.2001

Kurz vor 1000 legen wir ab. Heute wollen wir so weit als möglich nach Norden vorstoßen. Über endlos lange, einsame skandinavische Straßen fahren wir durch wunderschöne Wälder über Sveg nach Östersund und weiter nach Strömsund, die schon ein Gefühl für die nordischen Weiten vermitteln. Links und rechts der Straße sind immer wieder Seen zu sehen (Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr!) und auch den einen oder anderen Wasserfall kann ich ablichten. Hauptsächlich werden aber Kilometer gefressen, die Crew schläft und ich halte mich mit Led Zeppelin wach.

In Sveg werden Diesel und andere Vorräte aufgefüllt. Auch am Sonntag kein Problem im Supermarkt einzukaufen. Heimatliches Zipfer-Bier wird in der exorbitanten Stärke von 3.5% gesichtet. Gschloder, habe ich schon auf Dienstreisen getrunken. Ich halte mich da am eigenimportierten Gerstensaft mit höherer Klopffestigkeit. Sicherheitshalber erstehen wir gleich ein Fläschchen "Djungel olja", was angeblich das einzig wirksame Mittel gegen Insekten sein soll. Man weiß ja nie, ob man’s nicht bald brauchen kann ;-)

Weiter auf den langen Straßen.

So habe ich mir das vorgestellt. Irgendwie schwer zu vermitteln, was an diesen einsamen, schnurgeraden Straßen mitten durch den Wald schön sein soll. Mir gefällt’s. Der zweite von uns in Schweden gesichtete Österreicher wird mit Lichthupe gegrüßt. Selbst die deutschen Nachbarn sind hier nicht sehr stark vertreten. Naja, das halten wir schon aus...

Led Zeppelin, Remasters
455km

6. Tag, Montag, 9.7.2001

Langschläfer. Erst um 0900 erheben wir uns, nachdem ich mich um Mitternacht zum Schlafen gezwungen habe. Die Funkverbindung am Vorabend hat wunderbar funktioniert, sogar mit Franz, OE3RRA, der mit nur 5 Watt von der griechischen Insel Zakynthos qrv war, habe ich ein qso führen können. Die Freunde in der Heimat waren entweder daheim oder mobil in Wien unterwegs. Alle konnte ich wunderbar aufnehmen. Toll. Mit Andy, OE3ACS, habe ich noch bis 2300 geplaudert, satte Signale auf beiden Seiten.

Erst gegen 1100 fahren wir los und eigentlich wollten wir auf schnellstem Wege nach Storuman und dann über die E12 nach Täraby. Aber es kommt ganz anders:

Nachdem sich das Bezahlen mit Kreditkarte an der Campingplatzrezeption ziemlich in die Länge zieht (das Papier im Kreditkartenbelegdrucker war aus - wie immer bei mir auch an der Supermarkt-Kassa), schnappe ich mir ein paar Prospekte, darunter eines, welches den "Wildnisweg" (Vildmarksvägen) beschreibt. Schwedens schönste Touristenstraße. Die Fotos der Wasserfälle bewegen uns zu einer kurzfristigen Programmänderung. Von Strömsund nach Nordwesten über die Straße 342, in Richtung des ersten Wasserfalles, Hällingsåfallet.

Die letzen 30km legen wir auf einer Schotterpiste zurück. Sehr spannend, sehr staubig. Aber kein Gegenverkehr, ziemlich einsam. Beim Wasserfall angelangt, stehen aber doch ein paar Autos am Parkplatz und wir marschieren die restlichen 200m zum Wasserfall zu Fuss.

Hällingsåfallet. Über 40m ergießt sich das Wasser in den größten wasserführenden Canyon Nordeuropas. Spektakulär. Die Bilder huschen nur so dahin. Unterhalb des Parkplatzes machen wir Mittagspause und fahren dann auf der Piste weiter bis Gäddede, wo wir schon hinter der norwegischen Zollstation wieder auf die Haupstraße ausbiegen. Sicherheitshalber wird getankt, man weiß ja nie...

Entlang des Kaledonischen Gebirges geht es nordwärts, vorbei an zahllosen naturbelassenen Flüssen und Seen hinauf auf die Hochebene bei Gervenåkko, wo wir die Grenze zu Lappland überschreiten. Die Gegend ist mit Worten nicht beschreibbar; knapp an der Baumgrenze (ca. 800m) ist der Boden feucht, die Luft warm (20°), überall sind kleine Flüsse, dahinter die leicht schneebedeckten Berge. Und dazu die endlose Weite. Alles ist kitschig grün.


Am Wildnisweg

Ein wenig sind wir ja schon herumgekommen, aber so eine Gegend haben wir noch nie gesehen. Wir lassen alles bei zahllosen Fotostopps (die Viecher fressen einen schon auf!) und bei langsamer Geschwindigkeit auf uns einwirken.


Panorama der Hochebene bei Gervenåkko


Überall die kleinen Seen...


...und die kleinen Flüsse


Notunterkunft für Motorschlittenfahrer


Wasser überall ...

Wir würden ja gerne hier oben übernachten, aber es ist einfach noch zu früh dafür.

Hinunter geht’s nun und ein kurzer Abstecher nach Fatomakke, wo sich die berühmte Kyrkstad befindet.


Samenkote in der...


...Kyrkstad

Ein kurzer Spaziergang und dann weiter zu dem Wasserfall, der mich im Reiseprospekt sofort angelacht hat:


Trappstegsforsen

Direkt an der Straße und am Abend ein wenig im Gegenlicht. Foto. Foto. Foto.

Gleich dahinter biegen wir Richtung Norden ab und beziehen unser Nachtquartier mit Blick auf den See. Fast ganz einsam. In 200m Entfernung steht noch ein Wohnwagen. Superblick zu den gewitterwolkenverhangenen Bergen. Um 1945 heißt es Maschine-Stopp und Abendessen. Kurz danach verschwindet die Sonne hinter den schwarzen Wolken. Ziemlich angenehm. Noch immer 20° und das in Lappland...

Das Licht wechselt minütlich, es ist einfach toll hier. Um 2100 beginnt es zu tröpfeln, das stört aber nicht wirklich.

Morgen fahren wir nochmal beim Wasserfall vorbei, um ihn mit dem Licht aus dem Rücken zu fotografieren. Und dann geht’s über einen Abschneider durch’s Unterholz zur E12, wo wir am Abend wieder Funkkontakt mit der Heimat herstellen wollen. Zu erzählen gibt’s ja genug, wenngleich das Beschreiben mit Worten nicht ganz so leicht ist. Aber immerhin habe ich heute ca. 150 digitale Fotos von der Kamera auf den Laptop transferiert. Da wird ja hoffentlich ein wenig von der Stimmung rüberkommen. Herfahren muss man selber, und das haben wir auch heute nicht bereut.

Melissa Etheridge, Santana
320km


This page was last updated on: 30.08.2004