Nordkap

4.7. - 29.7.2001

18.Tag, Samstag, 21. Juli 2001

In der Früh regnet es tatsächlich nicht mehr, sogar die Sonne zeigt sich ein wenig. 1000, Kurs Trondheim. E6, ziemlich anstrengende 455km liegen vor uns. Die Europäische Fernstraße ist hier ziemlich eng und kurvenreich, immer wieder geht es bergauf und bergab. Bei einem Supermarkt unterwegs parken wir unser Auto neben dem des Feldkirchners und beherzigen beim Einkauf seinen Rat, um an einen Wetterbericht zu kommen: Auf der letzten Seite des "Dagbladet" ist eine Wetterübersicht abgedruckt. Einfach beim Warten an der Kassa die Zeitung geschnappt und umgedreht; siehe da, es wird Richtung Süden besser. Das liest man gerne.
Unterwegs halten wir wieder mal an einem Wasserfall, dem Laksfjorsen. Wieviele Wasserfälle verträgt der Mensch? Keine Ahnung, wir sehen sie immer noch gerne, sie sind hier wirklich spektakulär.


Laksfjorsen


Richtung Trondheim

Bis 1800 gurken wir Richtung Trondheim, die Einheimischen sind von den angedrohten Strafen für Geschwindigkeitsübertretungen offensichtlich so eingeschüchtert, dass sie kein einziges Prozent zu der erlaubten Geschwindigkeit zugeben. 70 bedeutet hier, dass sie 70 Tacho fahren. Nicht mal die 10% Tachoungenauigkeit geben sie zu, dass ist auf die Dauer wirklich lähmend. Wir suchen über eine Stunden einen passenden Platz für eine Außenübernachtung und finden diesen erst als wir schon am Rückweg auf die E6 sind. Mühsam, aber auch der nächste brauchbare Campingplatz wäre sehr weit weg gewesen. So parken wir uns um 1830 neben einer Piste auf einer Stichstraße ein und ich bin von der Fahrerei ziemlich erledigt.
Morgen wollen wir zum Geirangerfjord vorstoßen, hoffentlich bleibt das Wetter so. Seit wir die Grenze zum Trøndelag überschritten haben, ist der Himmel wolkenlos blau und die Temperaturen kratzen an der 20° Marke.

RÖI ist um 1900 auf 13730 gut zu empfangen und wir hören endlich wieder mal Nachrichten und, weil Samstag ist, auch gleich eine Zusammenfassung der Ereignisse der vergangenen Woche.

455km

keine Musik, nur das Blöken der Schafe, die hier mitten im Wald vorbeitraben.

19.Tag, Sonntag, 22. Juli 2001

Nach einer ruhigen Nacht (nur ein paar Schafe haben sich zu uns verirrt) wachen wir gegen 0900 bei Sonnenschein und Temperaturen, die als Adjustierung bereits zu früher Stunde eine kurze Hose erlauben, auf. Kurz nach 1000 legen wir ab und kommen gegen 1100 in Trondheim an. Die Stadt selbst wirkt am Sonntag wie ausgestorben, wir parken unser Auto und marschieren zur Altstadt, die, so wie die Speicherhäuser, absolut sehenswert ist. Der Dom ist zumindest zum Fotografieren nicht so toll, aber natürlich schauen wir vorbei. Innenaufnahmen machen wir keine, da eine Messe gelesen wird. Hinunter zum Hafen und zurück zum Auto. 


Trondheim


Eresfjord

Nach über einer Stunde sind wir wieder auf der E6. Bis Oppdal geht es bei starkem Verkehr dahin, anstatt die Megaschleicher zu überholen, halten wir einfach Mittagspause. Danach sehen die Dörfer und die Landschaft aus wie in den heimatlichen Alpen. Nur dass man sich nicht auf 1500 sondern nur auf 500m Seehöhe befindet. Ab Sunndalsøra haben wir Gelegenheit für ein paar Fjordfotos. Entlang des Sunndalsfjordes fahren wir bis Eidsøra, dann zum Langfjord und kurz nach Åndalsnes biegen wir Richtung Trollstigen ab.

Trollstigen - eine geniale Passstraße, die von einem Wasserfall, den man auf einer Brücke überquert, dominiert wird. Gleich einer Südtiroler Passstraße schraubt sich der - meist einspurige - Weg hinauf auf 850m. Immer wieder gibt es Ausweichen und wir beobachten einen Reisebus, der in einer Kehre mehrmals reversiert, bevor er um die enge Kurve kommt. Erinnerungen an unsere Schweiz/Italien/Frankreichtouren werden wach, nur dass die Seehöhe etwas geringer ist, dafür startet man auch von Meeresniveau. Oben beginnt es zu regnen und die kurze Hose kommt nicht mehr ganz so gut. Runter zum Norddalsfjord zieht es sich ein wenig und unten angelangt, brauchen wir eine Fähre, um den Fjord zu übersetzen. Jetzt trennen uns nur noch 25km von unserem Tagesziel, dem Geirangerfjord. Über die letzte Anhöhe (624m) erreichen wir einen Aussichtspunkt, von dem man den von über 1000m hohen Bergen eingesäumten, ziemlich schmalen, Geirangerfjord in seiner ganzen Pracht sehen kann. Fotostopp.


Trollstigen


Norddalsfjord


Geirangerfjordpanorama

Unten campieren wir 2km vor der Stadt Geiranger auf einem tollen Campingplatz und bekommen einen Stellplatz direkt am Fjord. 2m vom Wasser entfernt gibt es um 2100 mörderisch gute Filetsteaks mit Salat. Köstlich. Emfehlenswerter Campingplatz. Achja, es schüttet für eine Stunde, wir sitzen unter der Markise und beobachten die Wolken und die ein- und auslaufenden Schiffe.

Michelle Shocked, Short, Sharp, Shocked (Anchorage und The L&N Don’t Stop Here Anymore)
471km

20.Tag, Montag, 23. Juli 2001

Wirklich geiler Stellplatz am Geirangerfjord, man könnte durchaus noch einen Tag aushalten, aber das ist nicht so recht das, was wir wollen. Aber den Platz "Grande Fjord" möchte ich hiermit nochmal jedem ans Herz legen, der dort vorbeikommt.


Geirangerfjord


Geirangerfjord


Letzer Blick zum Geirangerfjord

Also packen wir zusammen und fahren hinauf zum Dalsnibba (1476m). Das letzte Stück der Straße ist nur gegen Entrichtung einer Maut zu befahren - dafür ist es nicht asphaltiert - was sich aber wirklich rentiert, denn die Aussicht ist beeindruckend. Die ganze Gegend hier heroben erinnert stark an die Schweizer und Französischen Alpen, wo auch die Gletscher oft zum Greifen nahe sind. Nur das sich hier alles schon auf knapp über 1000m abspielt...


Dalsnibba


Sognefjord

Durch die wunderschöne Alpenszenerie fahren wir die Straße 15 bis Lom, wo wir einen scharfen Schwenk Richtung Südosten machen und über’s Sognefjell (könnte wirklich genausogut in der Schweiz sein!) wieder hinunter auf Meeresniveau zum Sognefjord. Wunderschöne Ausblicke bei sonnigem Wetter. Passt.
Bei Hella überqueren wir den Sognefjord mit einer Fähre nach Vangsnes und fahren dann hinauf auf’s Vikafjell. Wieder Schweizer-Alpenpassfeeling, nur dass man, wenn man hinunterblickt, einen Fjord sieht. Die Berge ringsum sind teilweise schneebedeckt.

Ein paar mögliche Übernachtunsplätze hier heroben lassen wir aus, weil ich heute abend funken möchte und dazu gerne Strom vom Campingplatz verwende. Klassische Fehlentscheidung, welche sich in Kürze mit einem Anfängerfehler zum Stimmungszerstörer auswachsen wird.


Holzkirche in Lom


Am Sognefjord

Wir haben aus dem Campingführer den Platz bei Tvinne als unser Nachtquartier auserkoren. Liegt genau an einem Wasserfall. Super. Kurz nach 2030 treffen wir dort ein, die Funkerei wurde schon längst über SMS für 2100 ausgemacht. Ich bezahle einen Stellplatz mit Strom und dann machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Ziemlich voll. Zahlreiche Dauercamper (Alarm!) Wenige Plätze mit Antennenspannmöglichkeit in einer sumpfigen Wiese vorhanden. Wenige Stromanschlüsse. Ein einziger möglicher Platz zum Aufbauen der Antenne, Strom könnte ich vom Wohnwagen daneben abzapfen, der schon ein Verlängerungskabel gelegt hat. Schaut gut aus. Ich werde beim Niederländischen Freund wegen einer Abzapfung vorstellig. Dieser hat schwere Bedenken wegen der Absicherung der Stromleitung, da er in der Nacht (die bei ihm schon in einer Stunde beginnt!) eine Heizung mit 800W in Betrieb nimmt und außerdem noch Licht mit 160W verbraucht. Bleiben von den 1100W, die der Stromanschluss angeblich bietet, nicht mehr viel übrig. Um mein elektrisches Wissen zu demonstrieren rechne ich ihm die restliche Leistung in Ampere um und verabschiede mich schleunigst.
Letztendlich stehen wir dann eingekeilt zwischen Dauercampern auf einem Platz der das Abspannen eines Dipols unmöglich macht. Telefonisch erteile ich eine Absage an meine Funkfreunde daheim und bin ziemlich verärgert über mich selber. Nächstes Mal schaue ich mir so einen Platz vorher an bevor ich bezahle. (Hier bezahlt man im Voraus). Wir hätten noch locker zum nächsten Platz fahren können oder gleich oben in den Bergen stehen bleiben können. Bei schwacher Batterie hätte ich den Diesel halt kurz angeworfen.


Wasserfall direkt am Campinplatzgelände bei Tvinne 

Das Bier muss auch schon rationiert werden (2 pro Tag!), ich tröste mich mit ätherischer Musik:

Led Zeppelin, Remasters II
360km


This page was last updated on: 30.08.2004