18.Tag, Samstag, 21. Juli 2001In der Früh regnet es tatsächlich nicht mehr, sogar die Sonne zeigt sich
ein wenig. 1000, Kurs Trondheim. E6, ziemlich anstrengende 455km liegen vor uns.
Die Europäische Fernstraße ist hier ziemlich eng und kurvenreich, immer wieder
geht es bergauf und bergab. Bei einem Supermarkt unterwegs parken wir unser Auto
neben dem des Feldkirchners und beherzigen beim Einkauf seinen Rat, um an einen
Wetterbericht zu kommen: Auf der letzten Seite des "Dagbladet"
ist eine Wetterübersicht abgedruckt. Einfach beim Warten an der Kassa die
Zeitung geschnappt und umgedreht; siehe da, es wird Richtung Süden besser. Das
liest man gerne.
Bis 1800 gurken wir Richtung Trondheim, die Einheimischen sind von den
angedrohten Strafen für Geschwindigkeitsübertretungen offensichtlich so
eingeschüchtert, dass sie kein einziges Prozent zu der erlaubten
Geschwindigkeit zugeben. 70 bedeutet hier, dass sie 70 Tacho fahren. Nicht mal
die 10% Tachoungenauigkeit geben sie zu, dass ist auf die Dauer wirklich lähmend.
Wir suchen über eine Stunden einen passenden Platz für eine Außenübernachtung
und finden diesen erst als wir schon am Rückweg auf die E6 sind. Mühsam, aber
auch der nächste brauchbare Campingplatz wäre sehr weit weg gewesen. So parken
wir uns um 1830 neben einer Piste auf einer Stichstraße ein und ich bin von der
Fahrerei ziemlich erledigt. RÖI ist um 1900 auf 13730 gut zu empfangen und wir hören endlich wieder mal Nachrichten und, weil Samstag ist, auch gleich eine Zusammenfassung der Ereignisse der vergangenen Woche. 455km keine Musik, nur das Blöken der Schafe, die hier mitten im Wald vorbeitraben. 19.Tag, Sonntag, 22. Juli 2001Nach einer ruhigen Nacht (nur ein paar Schafe haben sich zu uns verirrt) wachen wir gegen 0900 bei Sonnenschein und Temperaturen, die als Adjustierung bereits zu früher Stunde eine kurze Hose erlauben, auf. Kurz nach 1000 legen wir ab und kommen gegen 1100 in Trondheim an. Die Stadt selbst wirkt am Sonntag wie ausgestorben, wir parken unser Auto und marschieren zur Altstadt, die, so wie die Speicherhäuser, absolut sehenswert ist. Der Dom ist zumindest zum Fotografieren nicht so toll, aber natürlich schauen wir vorbei. Innenaufnahmen machen wir keine, da eine Messe gelesen wird. Hinunter zum Hafen und zurück zum Auto.
Nach über einer Stunde sind wir wieder auf der E6. Bis Oppdal geht es bei starkem Verkehr dahin, anstatt die Megaschleicher zu überholen, halten wir einfach Mittagspause. Danach sehen die Dörfer und die Landschaft aus wie in den heimatlichen Alpen. Nur dass man sich nicht auf 1500 sondern nur auf 500m Seehöhe befindet. Ab Sunndalsøra haben wir Gelegenheit für ein paar Fjordfotos. Entlang des Sunndalsfjordes fahren wir bis Eidsøra, dann zum Langfjord und kurz nach Åndalsnes biegen wir Richtung Trollstigen ab.
Unten campieren wir 2km vor der Stadt Geiranger auf einem tollen Campingplatz und bekommen einen Stellplatz direkt am Fjord. 2m vom Wasser entfernt gibt es um 2100 mörderisch gute Filetsteaks mit Salat. Köstlich. Emfehlenswerter Campingplatz. Achja, es schüttet für eine Stunde, wir sitzen unter der Markise und beobachten die Wolken und die ein- und auslaufenden Schiffe. Michelle Shocked, Short, Sharp, Shocked (Anchorage und The L&N
Don’t Stop Here Anymore) 20.Tag, Montag, 23. Juli 2001Wirklich geiler Stellplatz am Geirangerfjord, man könnte durchaus noch einen Tag aushalten, aber das ist nicht so recht das, was wir wollen. Aber den Platz "Grande Fjord" möchte ich hiermit nochmal jedem ans Herz legen, der dort vorbeikommt.
Durch die wunderschöne Alpenszenerie fahren wir die Straße 15 bis Lom, wo
wir einen scharfen Schwenk Richtung Südosten machen und über’s
Sognefjell (könnte wirklich genausogut in der Schweiz sein!) wieder hinunter
auf Meeresniveau zum Sognefjord. Wunderschöne Ausblicke bei sonnigem Wetter.
Passt. Ein paar mögliche Übernachtunsplätze hier heroben lassen wir aus, weil ich heute abend funken möchte und dazu gerne Strom vom Campingplatz verwende. Klassische Fehlentscheidung, welche sich in Kürze mit einem Anfängerfehler zum Stimmungszerstörer auswachsen wird.
Wir haben aus dem Campingführer den Platz bei Tvinne als unser Nachtquartier
auserkoren. Liegt genau an einem Wasserfall. Super. Kurz nach 2030 treffen wir
dort ein, die Funkerei wurde schon längst über SMS für 2100 ausgemacht. Ich
bezahle einen Stellplatz mit Strom und dann machen wir uns auf die Suche nach
einem geeigneten Platz. Ziemlich voll. Zahlreiche Dauercamper (Alarm!) Wenige Plätze
mit Antennenspannmöglichkeit in einer sumpfigen Wiese vorhanden. Wenige
Stromanschlüsse. Ein einziger möglicher Platz zum Aufbauen der Antenne, Strom
könnte ich vom Wohnwagen daneben abzapfen, der schon ein Verlängerungskabel
gelegt hat. Schaut gut aus. Ich werde beim Niederländischen Freund wegen einer
Abzapfung vorstellig. Dieser hat schwere Bedenken wegen der Absicherung der
Stromleitung, da er in der Nacht (die bei ihm schon in einer Stunde beginnt!)
eine Heizung mit 800W in Betrieb nimmt und außerdem noch Licht mit 160W
verbraucht. Bleiben von den 1100W, die der Stromanschluss angeblich bietet,
nicht mehr viel übrig. Um mein elektrisches Wissen zu demonstrieren rechne ich
ihm die restliche Leistung in Ampere um und verabschiede mich schleunigst.
Das Bier muss auch schon rationiert werden (2 pro Tag!), ich tröste mich mit ätherischer Musik: Led Zeppelin, Remasters II |
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