Nordkap

4.7. - 29.7.2001

15. Tag, Mittwoch, 18. Juli 2001

Wir schlafen wunderbar in der Wildnis, um 0600 heize ich ein wenig ein, weil mir schon ziemlich kalt ist. Gegen 0900 frühstücken wir und fahren wieder auf die E10 Richtung Lofoten bis Melbu. Immer wieder tun sich beeindruckende Blicke auf die Berge auf, es sieht so ähnlich aus wie in den Alpen (die wir ja schon von Österreich bis Frankreich bereist haben), nur dass man sich hier nicht auf 2000 sondern im Durchschnitt nur auf 200m Seehöhe befindet. Außerdem sind die Fjorde einfach mächtiger als die Bergseen.

Bei Stokmarknes vor Melbu sehen wir die erste Polizeikontrolle unserer Tour. Der laserschwertbewaffnete Sheriff hat sich aber schon in einen deutschen Kraftfahrer verbissen, daher ist die Gefahr für uns gebannt. Angeblich werden hier selbst geringste Übertretungen der Tempolimits mit saftigen Strafen geahndet. Muss wohl so sein, denn ein Großteil der Einheimischen fährt meist eher unter den Limits und bei jeder Geschwindigkeitsbeschränkungstafel, wo sich unsereins ausrollen läßt, wird heftig gebremst. Anstrengend.

Dafür wird beim Überholen sofort ganz rechts gefahren und sobald der Überholte irgenwie der Meinung ist, dass es zum Gegenverkehr knapp werden könnte, wird auch gebremst. Der österreichische mit 50 Jahre-ÖAMTC-Mitgliedsplakette ausstaffierte Meisterfahrer gibt in so einer Situation erfahrungsgemäß lieber Gas, um den Nervenkitzel zu erhöhen.

In Melbu müssen wir, um auf die Lofoten zu gelangen, die Fähre nach Fiskebøl nehmen. 20 Minuten dauert die Überfahrt und die ersten Eindrücke der Lofoten sind gigantisch. Steile Berge, unten tiefgrün bewachsen, viele kleine Inseln. Dazu der Sonnenschein und nur wenige Wolken am Himmel. Perfekt. Drüben angelangt halten wir alle paar hundert Meter um die fantastischen Ausblicke abzulichten. Durch Svolvær fahren wir nach Kabelvåg, wo wir uns kurz vor 1700 auf einem Campingplatz mit im Campingführer erwähnter sehr schöner Aussicht einfinden. In der Tat stehen wir direkt an einem Fjord mit Blickrichtung auf die dahinter aufragenden Berge. Am Abend wird es ziemlich frisch (12°), aber schön langsam sind wir das ja schon gewöhnt und es ist - wie immer - nur eine reine Materialschlacht, um gegen diese Temperaturen bestehen zu können.
 


Erster Eindruck von den Lofoten


Lofoten


Lofoten


Lofoten


Ausblick am Campingplatz auf den Lofoten


Abendstimmung am Campingplatz auf den Lofoten

Es ist wieder mal Zeit zum Wäsche waschen und während Andrea die Waschmaschine füllt, sichere ich die Bilder der letzten Tage auf ZIP-Kassetten und koche gemeinsam mit dem Junior Spaghetti mit Tomaten und Faschiertem. Schmeckt gar nicht so schlecht, trotz der eingeschränkten Auswahl an Zutaten. Über SMS habe ich mir schon Skeds für den Abend ausgemacht, auf Grund der hier ziemlich freien Lage (beim Abspannen des Dipols werden wir noch kreativ sein müssen) hoffe ich, dass die Signale wieder stärker als zuletzt sein werden. Nachrichten von RÖI möchte ich auch wieder mal hören. Seit wir so hoch im Norden sind, ist 6.155 kHz überhaupt nicht und 13.730 kHz nur sehr sehr eingeschränkt hörbar. Am Abend wird 13.730 kHz ab 2000 Lokalzeit nicht mehr bedient, in der Früh (was mir immer als Indikator für die Möglichkeit einer 20m Verbindung dient) ist das Signal noch zu schwach und 6155 auch noch unhörbar. Schade, bis jetzt konnten wir bei allen unseren Urlauben RÖI immer mit wunderbarer Qualität empfangen. Der schlechte Empfang hier heroben kommt übrigens von der stärkeren Ionisation der Atmosphäre, die einerseits im Winter für die Nordlichter verantwortlich ist, andererseits aber auch die Funkwellen auf den niedrigeren Frequenzen dämpft.

Wenige Kilometer, viele Bilder.

Achja, in meinen Eco bin ich auch schon weit vorgedrungen. 350 von 800 Seiten. Könnte sich ausgehen. Ist übrigens gut zu lesen.

Rolling Stones, Best Of. U.A. mit "White Horses". Seufz.
234km

16. Tag, Donnerstag, 19. Juli 2001

Die Funkerei am Vorabend hat nicht so gut wie gewohnt funktioniert. Immerhin habe ich OE3MZC/1 und OE1MHA/1, beide im Auto in Wien unterwegs, aufnehmen können. Aber richtig perfekt war es nicht.

Windig ist es in der Früh und so soll es auch den ganzen Tag bleiben. Wir fahren gegen 1100 vom Campingplatz ab und erkunden ein wenig die Inseln. Prinzipiell halten wir uns an der E10, machen jedoch immer wieder kleine Abstecher. Der erste führte uns nach Henningsvær, einem Fischerdorf, das in seiner Anordnung ein wenig an Venedig erinnert. Dann fahren wir an den Nordzipfel dieses Inselteiles, nach Saupstad und Hovsund, wo sich die Sturmgewalten ungebremst am Strand entladen. Immer wieder gibt es weiße lange Sandstrände mit türkisblauem Wasser. Die würde eigentlich zum Baden einladen, wenn die Temperaturen ein wenig höher wären. Aber immerhin schön anzusehen.


Stockfischgestelle


Lofoten


Rauhe Nordseite der Lofoten


Rauhe Nordseite der Lofoten

Der Wind bläst ziemlich stark, ich bin froh über jedes Foto, das ich aus dem heruntergekurbelten Autofenster machen kann. Weiter auf der E10 Richtung Südwesten. Bei Borg besuchen wir ein Wikingermuseum und halten unsere Mittagspause.


Kitschiger Sandstrand im Norden


Anfahrt nach Nusfjord


Nusfjord


Nusfjord

Durch den Nappstraumentunnel (NOK 65,-) hüpfen wir zur nächsten Insel, auf der das bekannte Fischerdorf am Nusfjord liegt. Schaut wirklich nett aus, ist aber natürlich touristisch erobert. Aber für’s Fotoalbum ist es wirklich lohnend.

Die geplante Wanderung von Nestrand nach Nusfjord lassen wir auf Grund des unsicheren und stürmischen Wetters fallen und machen uns auf direktem Weg zur Fähre in Moskenses.
Vorher fahren wir noch auf den südlichsten Zipfel der Lofoten, in die Ortschaft die Å heißt. Recht kurz der Name und natürlich muss das Ortsschild fotografiert werden. Am Ende der Straße ist ein riesiger Parkplatz und wir flüchten sofort zur Fähre.

Dort ist wie erwartet schon eine Schlange und ich gehe mich erst mal erkundigen, wann die nächste Fähre nach Bodø ablegen wird. Es ist 1700 und die Fähre, auf die wir aber nicht mehr draufpassen werden, legt um 2100 ab. Die übernächste ist für 0145 geplant, da passen wir drauf (und während ich diese Zeilen schreibe, stehen wir auch schon eingereiht zum Verschiffen), werden wir halt inzwischen kochen, essen und lesen. Eine Ruhepause kann auch nicht schaden. Angesichts des rauhen Windes wird es draußen am Meer nicht so ganz ruhig sein, nehme ich an. Beim Warten in der Schlange werde ich von einem Österreicher aus Feldkirch angesprochen, der mir erzählt, dass die Fähre deshalb verspätet ist, weil die vorige beim Anlegen die Kaimauer gerammt hat. Die Fähre mit der eingedrückten Schnauze Einige Verlezte (wir haben uns schon gewundert, warum uns so viele Ambulanzfahrzeuge entgegengekommen sind) und einige beschädigte Autos (es ist halt schon schwer auf einer Fähre die Handbremse anzuziehen und einen Gang einzulegen, klar) soll es gegeben haben. Die Fähre steht hier noch immer am Kai mit eingedrückter Schnauze und es wir fleißig herumgehämmert. Na Bravo, das gibt Mut für die Überfahrt.

Ich werde mir noch ein Zipfer öffnen und die Bilder (heute waren es wieder mehr als 100, trotz des schlechten Wetters) auf den Laptop laden.

keine Musik, dafür heftiges Lesen im Focaultschen Pendel
211km

17. Tag, Freitag, 20. Juli 2001

Die für 0145 geplante Fähre kommt erst gegen 0200 an, bis dahin habe ich aber seit 2300 wunderbar geschlafen. Die Fähre ist nicht gänzlich leer, offensichtlich kommt sie von den kleinen Nachbarinseln. Ich habe schwere Bedenken, dass alle wartenden Fahrzeuge drauf passen werden. Der Verlademeister läuft unkoordiniert auf und ab und immer wieder zur Fähre zurück, um irgendetwas abzuklären. Warum hat er kein Funkgerät mit? Ärgerliche Sache, es dauert ziemlich lange (nicht nur unsere Zeit, auch das Geld der Fährgesellschaft!), aber schließlich und endlich kommen wir an Bord und die Fähre legt gegen 0300 ab. Kaum haben wir den Hafen verlassen, nimmt der Wellengang ziemlich zu und einige Passagiere richten schon vorsorglich Plastiksackerl her ;-) Als ich einmal kurz von meinem Platz aufstehe, um zum Außendeck zu gehen (huschi da draußen!), muss ich mich anhalten, so stark ist der Wellengang, was aber einem Segler nichts ausmacht. Ich haue mich einfach längs über ein paar der bequemen Ledersessel auf’s Ohr und schlafe bestens bis zum Einlaufen am Festland gegen 0615. Das Anlegemanöver geht in unserem Fall problemlos von Statten und wir sind in kürzester Zeit aus der Fähre draußen. Da wir trotz der Ruhepausen müde sind, beschließen wir, bis Saltstraumen zu fahren und hauen uns dort auf dem sehr dicht mit Wohnmobilen gefüllten Parkplatz bis 1030 auf’s Ohr. Seit der Abfahrt von den Lofoten regnet es übrigens und so bleibt das auch den ganzen Tag.

Saltstraumen. Durch diese Engstelle werden viermal am Tag 372 Mill.m³ Wasser zwischen Meer und dem dahinterliegenden Fjord durchgepresst. Der größte Gezeitenstrom der Welt, ein beeindruckendes Schauspiel, wie das Wasser mit einer Geschwindigkeit von 8-10 Knoten, gleich eines Stromes, durch die Düse rauscht. Die sich dahinter bildenen Wasserwirbel haben einen Durchmesser von bis zu 10m. Wir beobachten einen Fischer, der an dieser Stelle alle 5 Minuten einen Fisch aus dem Wasser zieht. Ein Könner, offensichtlich. Und das war auch schon der Höhepunkt des Tages. Das Wetter ist so mies, dass wir von der angeblich großteils guten Aussicht entlang der E6 Richtung Süden nicht viel haben.

Nur die Auffahrt auf das Saltfjellet ist auch bei den herrschenden Sichtbedingungen spektakulär. Die direkt am Fluss entlangführende Straße bietet immer wieder schöne Ausblicke auf die reißenden Wassermassen des Flusses, viele kleine Wasserfälle und einige Hängebrücken sind zu sehen. Wir begehen eine dieser Brücken, was eine sehr schwankende Angelegenheit ist.


Saltfjellet


Saltfjellet

Am Polarkreis bei SauwetterWenige Kilometer danach überschreiten wir den Polarkreis, ein paar Fotos, aber der Nieselregen und der Wind sind so grauslich, dass wir nur einen Pflichtbesuch an den Polarkreismarkierungen machen. Kaffepause und weiter Richtung Mo i Rana. Bei Korgen, 37km südlich von Mo i Rana verfügen wir uns gegen 1800 auf einen wunderschön (soweit man das bei diesem Sauwetter beurteilen kann) gelegenen Campingplatz mit tadellosen Sanitäranlagen. Sehr empfehlenswert!
Den Feldkirchner, den wir gestern an der Fähre kennengelernt haben, treffen wir übrigens wieder bei einem Supermarkt und plaudern wieder ein wenig mit dem offensichtlich erfahrenen Nordlandfahrer. Viele Österreicher begegnen uns auf der E6, man merkt, dass wir schon weiter Richtung Süden vorstossen. An der Campingplatzrezeption wird mir nach meiner Anfrage versichert, dass das Wetter morgen besser werden soll. Naja, die Durchhaltenparolen für die Urlauber kennen wir eh von den Kärntenurlauben, die sind wie die Schneeberichte, nämlich mit Vorsicht zu genießen. Aber es kann eh nur mehr besser werden.

Eric Clapton, Unplugged
320km


This page was last updated on: 14.11.2011