13. Tag, Montag, 16.Juli 2001Von dem wunderschönen Platz sind wir gestern noch abgezogen, weil uns ein wahnsinniger Eingeborener einreden wollte, dass der Platz noch zum (weiter oben liegenden, eingezäunten) Campingplatz gehöre und er mir dafür NOK 100,- abnehmen wollte. Englisch wollte er nicht viel verstehen. Um jeglicher Diskussion und allfälligen Problemen aus dem Weg zu gehen, sind wir noch weiter um den See gefahren. Nach einigen Kilometern haben wir einen brauchbaren Platz etwas abseits der ohnehin nicht wirklich heftig befahrenen Straße gefunden und dort tief und fest geschlafen. Vor 1000 brechen wir auf und - das sei hiermit gestanden - haben beim Frühstück
eingeheizt. Außentemperatur 10°, nicht wirklich viel. Zudem beginnt es bei der
Abfahrt zu regnen, was sich so schnell nicht ändern soll.
9°, nicht viel. Santana, Supernatural 14. Tag, Dienstag 17.Juli 2001Die Funkverbindung gestern Abend war nicht sehr berühmt. Obwohl wir unter großen Anstrengungen die Antenne verspannt haben, ist es halt mitten in den Bäumen, umgeben von Bergen, etwas ungünstig. Um 2100 klappt es fast gar nicht, wir verschieben auf 2200, wo es zwar besser geht, aber auch weit von der gewohnten Signalstärke entfernt. Wir schlafen bis 0830 und sind kurz vor 1100 fertig zum Ablegen, als mich ein junger Mann aus dem heimatlichen Niederösterreich (Bezirk Scheibbs) anspricht. Mit den Worten "Endlich einmal ein Österreicher, ich hab’ schon geglaubt, da heroben sind keine", begrüßt er mich und erzählt, dass sie seit einer Woche durch Norwegen Richtung Norden fahren und es jeden Tag geregnet hat. Das ist mit Zelt natürlich noch weniger lustig, als es gestern, an unserem ersten richtigen Regentag, mit dem Campingbus war. Wir tauschen Informationen über die zurückgelegte Strecke und deren Sehenswürdigkeiten aus. Er ist unschlüssig, ob er ans Nordkapp fahren soll. Ich rate, es zu tun, aber nur einmal. Ich berichte von dem Nepp (Tunnel, Eintritt!), aber es muss halt einmal sein. Weiters lege ich ihm mit voller Überzeugung den Wildnisweg in Schweden ans Herz, der war wirklich schön und ich würde ihn sofort wieder fahren, diesmal mit Außenübernachtung auf der Hochebene. Wir erhalten im Gegenzug Informationen über die Fährverbindung von den Lofoten nach Bodø, sowie über einen Wanderweg nach Nusfjord. Ich händige ihm meine Visitenkarte mit homepage Adresse aus, damit er diesen, unseren, Bericht, dann nachlesen kann. Vielleicht bekomme ich auch von ihm eine email, mit einem Bericht über seine weitere Fahrtstrecke. Das Wetter schaut - im Vergleich zu gestern - nicht so schlecht aus. Es regnet nicht und die Sonne zeigt sich zumindest partiell. Wir fahren nochmal nach Tromsø, wo wir in einem Fischgeschäft direkt am Hafen geräucherte Heringe und Filets eines uns unbekannten Fisches erstehen. Dann geht es über die E6 Richtung Narvik. Bei Strup machen wir einen Abstecher über die Straße 854 (schöner Wasserfall an der Straße), dann über die Straße 87 zum Målsefossen (Wasserfall), der in einem der besten Lachsgewässer der Welt liegt und Europas längste Lachsleiter (500m) zu zeigen hat. In einem Schaubecken kann man durch eine Glasscheibe Lachse von beeindruckener Dimension besichtigen. Tolle Sache.
Zurück auf der E6 fahren wir nach Narvik, wo der größte Erzhafen der Welt zu bestaunen ist. Hier wird das Erz aus Kiruna (wo wir vor einigen Tagen im Bergwerk waren) verschifft. Von Narvik fahren wir ca. 40km zurück nach Bjerkvik, dann auf die E10 Richtung Lofoten. Da wir vom Fahren für heute schon genug haben, suchen wir bei Liakollen abseits der Hauptstraße einen Übernachtungsplatz, der nach einger Zeit auch in einer Waldlichtung an einer Schotterpiste gefunden wird. Gerade als wir uns dort einparken wollen, biegt ein Einheimischer Fischer auf diesen Platz. Ich frage ihn, ob es in Ordnung ist, wenn wir hier über Nacht bleiben. Leider kann er genauso gut Englisch wie ich Norwegisch, aber ich verstehe, dass es kein Problem ist, er zeigt mir sogar, wo ich mich hinstellen solle.
Wir kochen den uns unbekannten am Vormittag gekauften Fisch mit einer Tomaten-Kapernbutter (Gerer!) und sind gerade mit dem Essen fertig, als der Petrijünger ohne Beute zurückkommt. Wir versuchen uns noch ein wenig zu unterhalten, aber mangels Schnittmenge der zur Verfügung stehenden Sprachen wird es etwas schwierig. Immerhin habe ich kapiert, dass er unsere Fahrtroute und die Reisedauer wissen will und er zeigt sich nach Nennung einiger bekannter Orte (Austria, Schweden, Nordkapp, Lofoten, Oslo, Austria) beeindruckt. Den von mir angebotenen österreichischen Schnaps lehnt er ab, weil er, wie er bedeutet, noch Autofahren müsse. In Norwegen sind die Alkoholgrenzen sehr eng gesteckt. Weiß man eh. Das Wetter hat heute gepasst, es war zwar nicht heiß (tagsüber zwischen 12 und 15°), aber, verglichen mit dem gestrigen Tag, schon ziemlich warm. Heizung haben wir keine gebraucht, das ist schon was. Hier in der Wildnis (wir stehen wirklich mitten im Wald!) hat es um 2130 nur mehr 7°, aber mit Schlafsack und zur Not mit Gasheizung (wir haben die erste von zwei Flaschen Gas noch nicht geleert, aber auch noch nicht Halbzeit, daher spare ich noch ein wenig - Gas ist hier für unsere Flaschen fast nicht zu bekommen) werden wir das schon überstehen. Simon&Garfunkel, The Concert in Central Park |
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