Westschweiz und Savoyen

25.8. - 2.9.2000

6. Tag: Mittwoch, 30.8.2000 - Mit Bernhard und Berndi nach Savoyen

Wir verlassen die Walliser Alpen und fahren durch den nun immer französischer werdenden Teil der Schweiz: Raus aus dem Mattertal und über Visp, Sierre (Siders), Sion (Sitten) nach Martigny. Zwischendurch bunkern wir in einem Supermarkt und erlegen gleich ein Pipperl vom Grill, welchselbiges quasi an Ort und Stelle, nämlich auf dem Parkplatz des Supermarktes - der mir im Übrigen in unangenehmer Erinnerung bleiben wird, weil wir die Wein-/Schnaps-/Biervorräte nicht ergänzen konnten - verspeist wird. Mit May-Sal, wer's wissen will. Von Martigny erklimmen wir über die gut ausgebaute Straße den Großen St. Bernhard (Col du Gd.  St. Bernard / Colle d. Gran San Bernardo - 2496m). Natürlich begnügen wir uns nicht mit dem Tunnel, sondern überqueren auf der einzig wahren Passstraße die Grenze nach Italien. Eigentlich fahren wir nicht, wir tasten uns nur vor - wie eine Schnecke mit ihren Fühlern. Denn der Nebel (der ja bekanntermaßen der erste in der Menschheitsgeschichte erwähnte Dichter ist - Hl. Schrift, 1.Testament, 1 Kapitel: "Dichter Nebel lag auf der Erde") war so dicht, dass der Schweizer Grenzposten bei meiner Ankunft eben dabei war, eine Blinkleuchte an der Stopptafel am Grenzübergang zu installieren. Der Mann mit Hut und Feder hat mich mit säuerlichem Gesicht weitergewunken. Das war an der kurz darauffolgenden italienischen Grenze ganz anders. Der italiano hat sich gleich nicht mal aus seinem, wahrscheinlich warm beheizten, Gehäuse herausbewegt und stattdessen durch das winzig kleine Fenster gewachelt: "via, via". Grüß' Sie!
Ein paar hundert Meter nach der Grenze ein schneller Fotostopp: Hier sieht man normalerweise den Mont Blanc; heute allerdings genau nix. Außer Wolken natürlich. Aber die haben wir daheim auch. Brauchat ma ned so weit foan, Kärntn tatat genügn. Um ehrlich zu sein: die Passüberquerung ist trotzdem spektakulär, auch wegen der tollen Randsteine (siehe Foto) und ich kann wenigstens zum Ersten mal meine Nebelschlussleuchte bestimmungsgemäß ("... bei Sichtweiten unter 50m ...") verwenden (außerdem Fernlicht am Tag, weil keine Gefahr der Selbstblendung und blablabla - ein Fall für www.fuerboeck.at). Es war die Me-ga-Suppe.

Bitte i wor des ned!

Großer St. Bernhard bei Nebel

Vom Großen St. Bernhard hinunter ins Aostatal, über die Autostrada - Sonderprüfung beim Insertieren der Kreditkarte in den dafür bestimmten Schlitz bei der Mautstelle - nach Morgex. Klingt hier alles französisch, ist aber in Italien. Genaugenommen ist es ein autonomes, französischsprachiges Gebiet in Italien. Von dort Richtung Süden zum Kleinen St. Bernhard (Colle d. Piccolo San Bernardo / Col du Petit St. Bernard - 2188m). Im Nieselregen schnell ein paar Fotos vom Hospiz, vom Hl. Bernhard und dann schrauben wir uns über viele viele Kehren hinunter nach Bourg St. Maurice. Achja, Grenzübertritt nach Frankreich. Das Grenzhäuschen ist zugesperrt und ganz verfallen. EU-Grenze halt. Im Supermarkt endlich die geistlichen - äh: geistigen - Bedürfnisse befriedigt und das war's für heute. Die Bilanz: Bist jetzt 237 Bilder aus der Digitalen Kamera geladen. Fette Beute.


Kl. St. Bernhard: Das Haus an der Grenze ...


Kl. St. Bernhard: Das Hospitz


Kl. St. Bernhard: Das Hospitz

Bevor ich's vergesse zu erwähnen: "James Taylor - Best Of". (Im Moment: "You've got a friend"). Schlaf gut, lieber Laptop.

7. Tag: Donnerstag, 31.8. - Schnee am Iseran!

Es regnet. Schon seit ca. 02.00. Beim Frühstück um halb neun wird es ein wenig besser und wir legen schließlich gegen zehn Uhr bei schon nahezu niederschlagsfreiem Wetter ab. Ursprünglich hatten wir geplant, über Cormet de Roselend in Richtung Chamonix vorzustoßen. Wir ändern aber unser Vorhaben angesichts des Wetters und Europas höchstgelegenem Pass, der südlich von unserem Standort Bourg St. Maurice liegt und der einfach befahren werden muss. So nehmen wir ein Stück der Route des Grandes Alpes nach Val d'Isère, welches ja Passivsportlern zumindest aus dem Fernsehen von den geistreichen Skiübertragungen ("Wie ist's gegangen?" - "Owi", "Jetzt wird sich die Läuferin gleich vorne hineinfahren", usw.) bekannt ist.
Wie erwartet handelt es sich um einen unserer Meinung nach hässlichen Touristenort. Die Franzosen sind da übrigens nicht zimperlich, wenn es darum geht, Hotelkästen in die Berge zu stellen. Da können selbst die Westösterreicher noch etwas lernen. Naja, was soll's, wir konzentrieren uns auf unser nächstes Ziel, das ja im Augenblick sogar schon ein wenig Sonnenstrahlen zu uns zu schicken scheint: Col de l'Iseran, wie schon erwähnt, Europas höchster Pass. Gaaas. Von wegen Sonnenstrahlen: Die Suppe wird immer dichter, schon wieder werden Nebelschlussleuchten (nein, mit dem Nebel wurde trotzdem nicht Schluss) und Fernlicht aktiviert.
Oben angelangt gibt es erstmal das obligate Foto von der Tafel mit der Höhe des Passes: Sagenhafte 2770m!!! Nicht schlecht. Nur das Wetter, das ist schlecht. Egal, weil es schon zwölf Uhr ist und der Ort uns einigermaßen geeignet erscheint, halten wir in dünner Luft unsere Mittagspause. Kaum sind der Schinken, das Brot und der Brie "Chateau irgendwas" hervorgeholt, beginnt es zu schneien! Und frischis: 1 Grad. Im Moment kann ich das Thermometer noch ablesen, 10 Minuten später ist der Spiegel zugeschneit. Wir verständigen uns von Auto zu Auto nur mehr via Funk, an ein Öffnen der Türe ist nicht zu denken, draußen ist Schneesturm. (Ich musste mich hier schwer zurückhalten, um nicht Blizzard zu schreiben, Anm.). Es ist aber wirklich kein Schmarrn, wir aktivieren die Standheizung, nachdem wir einen Freiwilligen bestimmt und rausgeschickt haben, um die Kaminkappe der Heizung abzunehmen. Während wir schmausen, läuft das Gasaggregat auf Volllast. 1800W, aahhh, schön warm. Weil die Sicht eh gleich Null ist, nehme ich von einem Verdauungsspaziergang Abstand und lese noch ein bisschen (Fruttero&Lucentini/Charles Dickens - Die Wahrheit über den Fall D.).


Kurz nach Val d'Isère


Auffahrt auf den Col de l'Iseran


Col de l'Iseran


Schnee am Iseran!


Nebel am Iseran


Abfahrt vom Iseran


Abfahrt vom Iseran


Abfahrt vom Iseran

Nach einer kurzen Augenpflege und einem anschließenden Kaffee fahren wir ab Richtung Lanslebourg Mont-Cenis, wo wir endlich die Heizung ausschalten können. An der Straße nach Modane halten wir bei Aussois, um die Forts de L'Esseillon zu fotografieren und den Fotoapparat zu erleichtern. Die Smartmedia war schon fast voll und so starten wir schnell den Laptop. Über 300 Fotos bis jetzt.

 
Forts de L'Esseillon

Über Modane und St. Michel geht es nach La Chambre. Dort zweigen wir rechts ab zum Col de la Madeleine, der in der Straßenkarte mit 1984m, am Pass selbst mit 2000m vermerkt ist. Geringfügige Differenz. Egal, die Fahrt auf den Pass gestaltet sich alleine schon wegen der ständig wechselnden Sichtverhältnisse auf die umliegenden Berge sehr interessant.


Auffahrt zum Col de la Madeleine


Abfahrt vom  Col de la Madeleine

Am Pass oben das übliche Foto und - Abfahrt bis ins Tal. Wir schließen den Kreis rund ums Massif de la Vanoise und campieren in Aime, wo wir nun endlich den ersten Funkkontakt mit der Heimat herstellen. Geht nicht berühmt heute, naja, die Berge rund um uns sind einfach ziemlich hoch, was der Ausbreitung der Funkwellen nicht gerade dienlich ist.

 Es regnet schon wieder.


This page was last updated on: 14.11.2011