Westschweiz und Savoyen

25.8. - 2.9.2000

4. Tag: Montag, 28.8. - Grenzgänger

Die Bernina zeigt sich am Morgen ja doch noch bei halbwegs akzeptablem Wetter und das Gas für die Heizung ist uns in der Nacht auch nicht ausgegangen. (frischis.wav).


Ich erkläre den beiden mitfahrenden Banausen beim Frühstück den Polarkreis und den Wendekreis; Zeitverschwendung, ich stoße auf einen klaffenden Abgrund des Nichtverstehens - (Anm. von Andrea: weil falsch erklärt)


Camping bei Pontresina, im Hintergrund (theoretisch) die Bernina

Unser heutiges Ziel heißt Matterhorn und wir haben uns für die Südroute entschieden, was, im Nachhinein betrachtet, die absolut richtige Entscheidung war. Zum Ersten kennen wir Flüela und Konsorten schon vom letzten Jahr, zum Zweiten, ja, zum Zweiten sind der Como- und der Luganosee einfach genial. Außerdem muss ich jetzt die Karte zu Rate ziehen, um feststellen zu können, wie oft wir heute die Grenze zwischen der Schweiz und Italien überschritten haben. Aber schön der Reihe nach. Ecco:

Nach einem kurzen Abstecher durch St. Moritz geht's am Silsersee vorbei zum Maloja, den wir schon letztes Jahr bei - hüstel - etwas schlechterm Wetter - befahren hatten; weiter die bekannte Route in Richtung Chiavenna, wobei wir bei Castasegna zum ersten Mal die Grenze nach Italien überschreiten. Bei Borgonuovo fotografieren wir den Wasserfall, diesmal bei Sonnenschein. Man muss halt nur auf schönes Wetter warten können und wenn's, wie in unserem Fall, ein Jahr dauert.



St. Moritz


Silsersee

Über Chiavenna fahren wir zum Lago di Como, wo wir bei absolut geilem Panorama eine gepflegte Mittagspause - inklusive Augenpflege - halten. Gegen 15.00 fahren - Richtung Luganosee unterwegs- kommen wir aus dem Staunen gar nicht heraus. Die Landschaft ist absolut genial, die Bäume wachsen hinunter bis zur Küstenstraße, die sich wiederum permanent am Seeufer entlangschlängelt und ständig palmenbewachsene Ortschaften durchschneidet. Bei Oria überschreiten wir wieder die Grenze in die Schweiz und fahren an die Nordspitze des Lago Maggiore, Richtung Locarno und weiter durch Ascona (dachte bis jetzt immer, das ist ein Auto) bis Ólgia, wo wir uns im nächsten Moment wieder in Italien befinden.


Comosee


Comosee


Luganosee


Luganosee


Luganosee


Luganosee

Durchs Val Vigezzo nach Domodóssola und ins Val Divedro; bei Gondro wieder rein in die Schweiz. Grüezi! Durch die Gondoschlucht führt die Transitroute nach Brig und dementsprechend ist die Straße über den Simplonpass (2005m) auch ausgebaut. Wie eine Autobahn, es fahren jede Menge LKW, bergab teilweise auch mit halsbrecherischer Geschwindigkeit. Wir bezwingen den Pass, tauschen oben die kurze Hose gegen eine Jean nebst einem Pulloverl und stürzen uns ins Tal Richtung Brig, wo wir um 20.00 ankommen, neben einem Wasserfall unsere Plätze beziehen und nach wenigen Minuten den Griller anheizen. Die Koteletts sind fantastisch. (Anm. von Andrea: Eh klar, die Damen zeichnen sich dafür verantwortlich.)


Val Vigezzo


Simplonpass


Simplonpass


Simplonpass


Simplonpass


Camping in Brig neben dem Wasserfall

Während ich 52 Bilder aus der Kamera sauge, höre ich "Midnight Oil - Blue Sky Mining"

5. Tag: Dienstag, 29.8. - Matterhorn für Eisenbahnfreunde

Nach rauschender Nacht (wie erwähnt, übernachteten wir neben einem Wasserfall) fahren wir um 10.00 ab, um in Brig Lebensmittel, sowie je einen Liter Öl und Kühlflüssigkeit fürs Dieselross zu besorgen. Unser Tagesziel heißt Matterhorn, zuvor fahren wir aber ins Nebental (Saastal) und fotografieren in Saas Fee die Viertausender des Alingletschers.


Alingletscher von Saas Fee

Talwechsel. Vom Saastal ins Mattertal, wo wir in Täsch ob des schönen Wetters beschließen, mit der Gornerbahn auf den Gornergrat zu fahren, um das Matterhorn ausgiebigst bestaunen zu können. Da glüht die Eurocard. Da die Straße für den Individualverkehr ab Täsch gesperrt ist, fahren wir zuerst mit der Zermatt-Bahn nach Zermatt, wo sich sofort eine Gelegenheit zur Stadtbesichtigung ergibt, weil der Anschlusszug der Gornerbahn soeben abgefahren ist. Sicher nur Zufall und nicht unfähige Planung. Nach 20 Minuten besteigen wir die Gornergratbahn, die uns mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h auf einer Steigung von max. 200 Promille in 45 Minuten bis zum Gornergrat (3131m) bringt, wo ich mich erstmals ein paar Meter abseits der Touristenplattform auf die Felsen setze und mir das Panorama zu Gemüte führe (sozusagen "eineziag"). Irre! 29 Viertausender sind von hier zu sehen, die Aufzählung der Namen erspare ich dem geneigten Leser und mir, obwohl, ich könnte ja schon, weil wir Schlauberger um nur SFR 6.50,- eine Panoramakarte an Ort und Stelle erstanden haben. Das Geschäft hat übrigens unmittelbar nach unserem Kauf geschlossen. So groß war der mit dem Verkauf erzielte Gewinn aber auch wieder nicht, obschon es sich um keine Okkassion handelt! Das Hörndl hüllt sich mehr und mehr in Wolken und wir machen schnell die Pflichtfotos: Crewmitglied im Vordergrund, wolkenverhangenes Matterhorn (4478m) im Hintergrund. Gletscherfoto hier, Gletscherfoto da. Ich entlocke meiner Digitalkamera ohne Stativ - dafür mit einer artistischen Einlage - ein Panoramabild, das der minderbemittelte Laptop am Abend beim Zusammensetzen mit "zu wenig Speicher" quittiert. Glumpert halt. Wir beschließen, ACS' nagelneue Bergschuhe ein wenig zu strapazieren und steigen über leichten Weg bis zur nächsten Station ab. 


180° Panorama vom Gornergrat

Nur damit da niemand glaubt, wir wären faul. Es entstehen noch ein paar Eisenbahnfotos und dann besteigen wir den Zug, was zu einem sofortigen Schlafanfall führt, den ich zum Glück rechtzeitig vor dem Findelnwasserfall beenden kann, um denselbigen, der sich unmittelbar neben der 100m langen Eisenbahnbrücke zu Tal ergießt, nochmals abzulichten, da ich beim Rauffahren die vielen Japaner (Stationsansagen in Japanisch - dagegen klingt Holländisch eigentlich gar nicht mehr soooo arg wie eine Krankheit) nicht vom einzigen offenen Fenster verscheuchen konnte. Beim Eintreffen in Zermatt fährt uns selbstverständlich wieder der Anschlusszug nach Täsch davon und wir machen noch einen Stadtbummel und kaufen zum Kampfpreis von nur SFR 5.50,- ein Eis mit immerhin zwei Kugeln vom artifiziell schmeckenden Banane/Erdbeer. Okkassion!


Gornergratbahn

Wir beschließen, den unmittelbar neben der Bahnlinie Täsch-Zermatt liegenden und von uns bei der Hinfahrt durchs Waggonfenster ausgemachten Campingplatz zu beziehen und so fahren wir nur ein paar hundert Meter vom Bahnhofsparkplatz bis zum Campingplatz, wo wir uns auf dem höchsten Campingplaz Europas (1860m) niederlassen. Der letzte Zug ist um 20.00 gefahren, eine Gefährdung der wohlverdienten Nachtruhe ist also nicht zu befürchten.


This page was last updated on: 22.01.2002