Westschweiz und Savoyen

25.8. - 2.9.2000

1. Tag: Freitag, 25.8. - Baustelle

Lange hat es ja diesmal nicht gedauert, seit der letzten Ausfahrt. Diesmal fahren wir gemeinsam mit Eva und Andi, die ihr gemietetes Wohnmobil um 16.30 in St. Pölten übernehmen. Nach dem Beladen und einem Kaffee fahren wir gegen 18.00 auf die längste mir bekannte Baustelle (genannt A1-Westautobahn) auf und kämpfen uns durch zahllose Gegenverkehrsbereiche bis zum Chiemsee vor. Dort suchen wir in Prien gegen 22.00 einen Wohnmobilstellplatz, den wir in einer "Karte der deutschen Wohnmobilübernachtungsplätze" als für uns günstig befunden haben. Nach endlos scheinender Sucherei landen wir schließlich um 22.30 vor einem geschlossenen Schranken, da der Platz nur zw. 08.00 und 22.00 geöffnet ist. Die schnell gefasste Überlegung, den Schranken zu demontieren (Steckschlüsselsatz bis 34mm ist mit an Bord!) verwerfen wir ebenso schnell wieder und beschließen, einfach auf der Straße vor dem Platz stehenzubleiben. Na bitte gleich zwei mal DEM 14,- gespart, auch nicht schlecht. Abendessen und Mütze gegen halb zwölf.

2. Tag: Samstag, 26.8.


Stausee am Kühtai


Überlauf vom Stausee am Kühtai

Nach der Tagwache um 07.30, Frühstück usw. Abfahrt um 08.30 Richtung Kufstein. Bei Innsbruck verlassen wir die Autobahn und fahren durchs Sellraintal übers Kühtai (2017m) weiter durchs Ötztal in Richtung Süden, um am Timmelsjoch (Passo di Rombo 2509m) erstens ATS 65,- als Mautgebühr zu entrichten und zweitens die Grenze nach Italien zu überschreiten.
Oben schnell den einsamen deutschen Radfahrer ("brauch' ja 'n Alibifoto - bitte das Timmelsjochschild muss drauf sein" - "Jojo, is die Mama mißtrauisch, wos?") fotografiert und dann runter ins Passeiertal, durch Meran (hier tief durchgeatmet, das Klima ist einfach ein Wahnsinn) bis Völlan, wo wir gegen 17.30 einen Campingplatz mit Swimmingpool und toller Aussicht auf Obstplantagen beziehen.

Nach der Abkühlung im Pool wird sofort wieder Hitze erzeugt. Aber nur im Griller.

Warm und angenehm ist die ganze Nacht. Wir schlafen (zum ersten mal seit wir den Bus haben) bei komplett geöffneter Schiebetüre und atmen die ganze Nacht die wunderbare Luft. Gelsenfrei, übrigens. Unglaublich, das gibt sowas in Estereich, ähhh Italien.


Auffahrt zum Timmelsjoch


Extra gewartet!


Timmelsjoch


Timmelsjoch


Bergziege am Timmelsjoch


Panorama vom Timmelsjoch

3. Tag: Sonntag, 27.8. - Making movies und "Lustig ist das Zigeunerleben".

Um 0900 klopft Eva an die Scheibe, um uns zu wecken. "S'ist schon spät". Hmh, habe ich gut geschlafen, bis neun Uhr, das ist Luxus. Nach Einpacken, Grillerversorgen usw. usw. ist es glatt schon 11.00 geworden. Unsere Platznachbarn verabschieden uns mit Akkordeonklängen "A farad Sie scho wida" "Jo, mir san imma nur a Nocht am Plotz" "Na de spiel ma halt schnell Luschtig is das Zigeunerleben" "Bitte. Danke. Grüß' Sie"



Durch den Vinschgau (Kommen dort die Vintschgerln her?) fahren wir aufs Stilfserjoch (passo dello stelvio, 2758m) und beobachten dort Engländer, die mit ihren historischen Autos gar seltsame Dinge aufführen. Zum Einen werden verbogene Kotflügel mit an Bäumen angebundenen Abschleppseilen ausgerichtet (warum soll immer nur ich der Tepperte sein?), zum Anderen stehen zahllose dieser Fahrzeuge am Straßenrand und die verwegenen Piloten zangeln im Motor herum. Nachdem ich einen gefragt habe, ob er Werkzeug brauche, erklärt er mir, dass das ganz normal sei was er tue, er wechsle nur die Zündkerze, weil das Benzin/Luftgemisch des Vergasers - bedingt durch die dünne Luft - zu fett sei. Hurk. Wieder was gelernt. Ein anderer, mit dem ich kurz (nun schon als Fachmann, aufgeklärt von seinem Kollegen) spreche, zeigt mir die eben ausgebaute Zündkerze - Schwarz wie die Nacht. "How old is this car?" "It was built in 1972" "Hmh, I was 6 years old then, harhar" "At the moment I wish I had a bike or a newer car". Von wegen bike: Unmengen von Motorradtreibern sind dort unterwegs. Komisch, dabei sind doch da lauter Kurven ;-).

Am Stilfserjoch

Ohne gewogen zu werden (siehe Schweiz 1999), überschreiten wir die Grenze in die Schweiz und rasten am Fuße des Umbrailpasses, als plötzlich ein Reiter bei uns stehenbleibt, aus dessen MV Augusta es rausraucht! Na bumm, wir eilen sofort hin, um unser Hilfe anzubieten. Der wackere italienische Pilot weiß im Moment vor lauter Panik eh nicht, was los ist. Wir betasten Bremsflüßigkeitsbehälter (schön oben anfangen, mit der Diagnose!), Bremsleitungen (Stahlflex, nur vom Feinsten), linke Bremsscheibe (eiskalt), rechte Bremsscheibe (ui, sauhaas). Aha: Bremskolben klemmt wahrscheinlich, "sollen wir Dir das runterschrauben? "Jetzt nicht, ist noch heiß". Recht hat er. Wir nehmen also auf der Decke in der Wiese Platz und speisen erstmal unseren prosciutto con olive. Nach einiger Zeit beschließt er, unseren Fähigkeiten als Mechaniker doch nicht zu trauen und fährt weiter. Uns is wurscht. Nein, ich schreibe jetzt nichts über die Qualität von italienischen Motorrädern!

Über den Ofenpass (den haben wir schon 1999 befahren) geht's bis St. Moritz, wo wir in Pontresina einen naturbelassenen Campingplatz direkt am Fluss beziehen. Während ich auf die Champingnonschnitzel warte, schreibe ich schon wieder übergebührlich lange Berichte und höre "Dire Straits - Making Movies".

Vom Ausblick auf die Berninagruppe schreibe ich jetzt nichts, weil: es regnet und ich habe im Moment keinen Ausblick. Aber besser keinen Ausblick, als keine Aussicht, denk' ich mir halt und schiebe die nächste Scheibe in den CD-Player:
"Da Van, Da Jack, De Georgia, De Gloria & I" - Kurt Ostbahn

Da Van (Van Morrison)
Da Jack (Jack Daniels)
De Georgia (Georgia on my mind)
De Gloria (Gloria)
und I

wer's ned waaß.


This page was last updated on: 14.11.2011